LA FEMME 100 TÊTES (2016)

LA FEMME 100 TÊTES (2016)

for soprano and double bass
Libretto by Patrick Hahn

instrumentation: S, cb*
duration: 7 minutes
première: March 13, 2016, Archipel Genève, Switzerland
Hélène Fauchère – soprano, Uli Fussenegger – double bass

Commissioned by Uli Fussenegger

LA FEMME 100 TÊTES

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LA FEMME 100 TÊTES

(excerpt)

Johanna Vargas – soprano, Gašper Livk – double bass
Recording published in March 2021 on CD – Karlsruher Schule by Capriccio
Produced by University of Music Karlsruhe

Additional performances

October 25, 2019, Stuttgarter Kollektiv für aktuelle Musik, Germany
Viktoriia Vitrenko – soprano, Nazarii Stetz – double bass
April 10, 2017, Elbphilharmonie Hamburg, Germany
Rinnat Moriah – soprano, Paul Cannon – double bass
October 9, 2016, Pharos Art Foundation, Cyprus
July 9, 2016, Format Raisins / Cumulus Paris, La Charité-sur-Loire, France
Hélène Fauchère – soprano, Uli Fussenegger – double bass

PHOTO

ABOUT

Like their earlier SCHUB’RDY G’RDY, This second collaboration between Žuraj and the dramatist Patrick Hahn is a musical and literary deconstruction of an existing part of the musical canon; this time the focus is the many literary, artistic and musical treatments of Salomé, especially the play by Oscar Wilde and Richard Strauss’s operatic setting of its German translation. LA FEMME 100 TÊTES focusses especially on Salomé’s encounter with John the Baptist, an improbable pairing that is mirrored in the work’s scoring for soprano and double bass.

The work proceeds from a single musical idea, a series of high-pitched and anguished tones produced by pinching a double bass string between thumb and forefinger, a technique was employed by Strauss to symbolise Salomé’s fevered anticipation when awaiting the severed head of John the Baptist, which king Herod has promised to have delivered to her in a silver charger; LA FEMME 100 TÊTES stretches out this moment moment of delayed gratification over six minutes. The rather gruesome subject invited a disturbing parallel to videos of decapitations, the online publication of which had scandalised the world in the recent past.

Alwyn Tomas Westbrooke

Frau. Ohne. Kopf.
Sie ist betört von seiner verführerischen Stimme: Körperlos tönt sie herüber, reißt sie aus ihrer Lethargie, weckt ihr Begehren, das sich bis zum Verlangen nach einem Kuss steigert. Salome ist es nicht gewohnt, dass man ihr einen Wunsch abschlägt. Als sie keinen anderen Weg sieht, ihren Wunsch zu erlangen, gibt sie sich mit dem Kopf des Begehrten zufrieden. Salome, eine Frau, die ihr erotisches Verlangen mit tödlicher Gewalt durchsetzt, avancierte ab Mitte des 19. Jahrhunderts zum Inbild weiblicher Grausamkeit und purer Erotik, zugleich zur bedeutendsten christlich-mythologischen Frauengestalt in Literatur und Musik. Die bekanntesten Bearbeitungen des Stoffes stammen von Oscar Wilde und Richard Strauss. Oscar Wilde beschwor Salomes Gestalt in der mondsüchtigen Atmosphäre eines 1896 uraufgeführten Prosadramas, das Richard Strauss 1905 im Wortlaut vertonte: ein rauschender Tanz in den Abgrund, der zum Sinnbild der »décadence« wurde. Doch auch Dichter wie Gustave Flaubert und Stéphane Mallarmé ließen sich von „Salome“ gefangen nehmen, Künstler wie Oksar Kokoschka, Edward Munch und Franz von Stuck. Unter den Komponisten waren es unter anderem Florent Schmitt, Paul Hindemith und in jüngerer Zeit Matthias Pintscher, die das Echo ihrer Tragödie eingefangen haben. Bis in unsere Zeit bleibt Salome ein faszinierender Stoff über die Macht des Begehrens.
So unmöglich wie die Begegnung zwischen Salome und Jochanaan wirkt auf den ersten Blick auch jene zwischen Sopran und Kontrabass, wie sie Hélène Fauchère und Uli Fussenegger suchen. Von gleichermaßen großer Anziehungskraft ist zweifelsohne auch das Aufeinandertreffen des beweglichen Soprans von Hélène Fauchère und des „sprechenden Kontrabasses“ von Uli Fussenegger. „Körperstimme“ der Sängerin und „Stimmkörper“ des Kontrabasses treten ein in einen Dialog der Verführung, die rasch in eine Katastrophe mündet. Die Ubiquität von Enthauptungsvideos schützt nicht vor den Gefahren der Kopflosigkeit.
La femme 100 têtes ist die zweite Zusammenarbeit zwischen dem Komponisten Vito Žuraj und dem Dramaturgen Patrick Hahn. Wie in ihrer „Schubert-Paraphrase“ Schub’r’dy G’rdy entwickeln sie ihr Material hier in der Auseinandersetzung mit einem bestehenden Werk des Musikkanons. Sowohl textlich als auch musikalisch gibt es unmittelbare Bezüge zur Salome von Strauss/Wilde. Diese Zitate werden in diesem Stück zum Trigger für neue musikalische Ausdrucksweisen. Eine surreale Überlagerung von Ausdrucksschichten. Der Titel ist inspiriert durch das Werk La femme 100 têtes von Max Ernst, was in diesem Fall auch heißen könnte: La femme sans tête oder La femme sent: tête. Frau und Kopf produzieren Sinn: La femme. Sense. Tête.

Patrick Hahn

Karlsruher Schule (2020)

Published by Capriccio

Johanna Vargas, Gašper Livk

recorded pieces:
LA FEMME 100 TÊTES

— available from March 2021 —

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